Das neue Jahr bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich, mit denen die tschechische Industrie rechnen muss. Neben geopolitischen Veränderungen sind das auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, die Dekarbonisierung oder der technologische Fortschritt. Und was erwartet uns also konkret? Wir geben Ihnen einen Überblick über die am häufigsten diskutierten Themen.
1) Verlangsamung des Wirtschaftswachstums
Eine der großen Herausforderungen dieses Jahres ist zweifellos die gesamtwirtschaftliche Lage in Tschechien. Zwar ist es richtig, dass Tschechien laut den jüngsten Daten des Finanzministeriums auch im nächsten Jahr ein moderates BIP-Wachstum (um 2,2 %) erwartet, die Prognosen zeigen jedoch auch eine leichte Verlangsamung dieses Trends. Analysten weisen zudem schon jetzt auf eine gewisse Stagnation der tschechischen Industrieproduktion hin.
Dafür gibt es mehrere Gründe – die schwierige Lage auf dem deutschen Markt, der eng mit unserem verbunden ist, sowie verschiedene Exporthemmnisse, die die Handelsbilanz negativ beeinflussen. Sorgen bereiten tschechischen Unternehmen vor allem die amerikanischen Zölle. Offen bleibt auch, wie sich mögliche Maßnahmen der neuen Regierung auf die gesamte Situation auswirken werden.

2) Geopolitische Risiken und ausländische Konkurrenz
Neben erschwerten Exportbedingungen muss die tschechische Industrie auch die Entwicklung der Lage im Ausland berücksichtigen. Und dabei geht es nicht nur um amerikanische Zölle und die schwache Verfassung der deutschen Wirtschaft. Wobei wir noch kurz bei Deutschland bleiben. Denn Ende des Jahres beschloss die dortige Regierung die Einführung massiver Energiesubventionen für die Industrie. Und zwar mit dem Ziel, die schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Ein Teil der tschechischen Industrieunternehmen, die solche Vorteile nicht haben, befürchtet nun, von der deutschen Konkurrenz „überrollt“ zu werden.
Gleichzeitig ist auch mit anhaltendem Konkurrenzdruck aus China zu rechnen, das weiterhin eine aggressive Exportpolitik verfolgt. In den USA melden Analysten dagegen einen Investitionsboom und technologische Entwicklung, zudem ist wohl auch weiterhin mit vorsichtigem Taktieren bei den Zöllen zu rechnen. Auch die Lage in Osteuropa ist nicht ruhig. Die tschechische Industrie wird weiterhin vom Krieg in der Ukraine und dem damit verbundenen Druck auf Investitionen in die Verteidigung beeinflusst.
Klar ist also, dass sich die tschechische Industrie gut auf ausländische Wettbewerber vorbereiten muss. Und zwar auch mithilfe von Innovationen. Die Tschechische Republik gehört jedoch leider bislang zu den EU-Ländern, die im Bereich Innovationen eher zurückliegen. Das geht aus dem diesjährigen Bericht des NKÚ hervor. Es gibt also noch viel Raum für Verbesserungen.
3) Digitalisierung und KI
Ein wichtiges Thema der kommenden Jahre wird auch die technologische Entwicklung sein, insbesondere die Digitalisierung von Unternehmen und der Fortschritt im Bereich KI. Denn obwohl seit vielen Jahren über Digitalisierung gesprochen wird, haben viele tschechische Unternehmen in der Praxis noch einiges aufzuholen. Laut der Analyse der tschechischen Industrie aus dem Jahr 2024, die vom Nationalen Zentrum Industrie 4.0 erstellt wurde, haben beispielsweise 60 % der tschechischen Unternehmen nicht einmal eine Digitalisierungsstrategie entwickelt.
Eine Investition in intelligente Systeme wird daher früher oder später ein großer Teil der Industrieunternehmen angehen müssen, wenn sie mit der Konkurrenz Schritt halten wollen. Auch der Staat plant, den Bereich Digitalisierung zu unterstützen, nachdem er im vergangenen Herbst den Plan des Programms Digitales Tschechien 2026 mit einem Budget von über 21 Mrd. CZK verabschiedet hat.
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4) Green Deal und Umweltpolitik der EU
Industrieunternehmen stehen unter wachsendem Druck, auf saubere Produktion und eine umfassende Dekarbonisierung umzustellen, was sich auch auf die Unternehmensinvestitionen im Jahr 2026 auswirken wird. Das hängt vor allem mit dem europäischen Green Deal zusammen, der die EU-Staaten verpflichtet, die Emissionen bis 2040 um 90 % zu senken. In den kommenden Jahren soll außerdem das erweiterte Emissionshandelssystem ETS 2 in Kraft treten, das unter anderem den Preis des Straßentransports beeinflussen kann.
Laut einer Studie, die der Verband der Industrie und des Verkehrs der Tschechischen Republik vor Kurzem erstellen ließ, muss Tschechien über 3 Billionen CZK in die Dekarbonisierung und Transformation der Industrie investieren, um die EU-Ziele zu erfüllen, was viele Fachleute als finanziell unrealistisch bezeichnen.
Es ist also klar, dass die Frage der Ökologie im kommenden Jahr für viele tschechische Industrieunternehmen auf der Agenda stehen wird – unabhängig davon, wie hoch das endgültige Investitionsvolumen ausfallen wird.
5) Mangel an qualifizierten Arbeitskräften
Ein anhaltendes Problem, das sich auch im Jahr 2026 bemerkbar machen wird, ist der Mangel an Technikern auf dem Arbeitsmarkt. Tschechien gehört zu den EU-Staaten mit der niedrigsten Arbeitslosenquote – laut den jüngsten Daten des Tschechischen Statistikamts liegt die Arbeitslosigkeit bei uns bei 2,9 %. Das wirkt sich zusammen mit der Alterung der erwerbstätigen Bevölkerung deutlich auch auf die Zahl qualifizierter Facharbeiter in der Industrie aus.
Laut der Dezember-Umfrage der Wirtschaftskammer beklagt die Mehrheit der Unternehmen einen Arbeitskräftemangel (51,1 %), die größten Probleme meldet der Bausektor. Unter den konkreten Berufen auf dem Arbeitsmarkt fehlen am meisten Beschäftigte in den Bereichen Elektrotechnik sowie Maschinenbau- und Montagearbeiter.
Unternehmen werden daher Wege finden müssen, neue Bewerber anzusprechen, sie schnell einzuarbeiten und im Unternehmen zu halten. Oder aber Unternehmensprozesse zu optimieren, damit die bestehenden Mitarbeitenden mehr Zeit für qualifizierte Arbeit haben. Bei diesen Bemühungen kann Unternehmen auch die erwähnte Digitalisierung helfen. Unternehmenssysteme wie Lumnio ermöglichen es nämlich, die Einarbeitung neuer Mitarbeitender zu beschleunigen und die Arbeit der bestehenden Mitarbeitenden effizienter zu gestalten.
6) Administration und neue Pflichten
Das Jahr 2026 bringt auch Änderungen im administrativen und rechtlichen Bereich mit sich, die Unternehmen betreffen werden, zum Beispiel:
- Bereits seit November 2025 ist das neue Gesetz zur Cybersicherheit in Kraft, das in Tschechien neue Regeln einführt, die aus der europäischen NIS2-Richtlinie hervorgehen. Diese Regulierung betrifft rund 6000 Unternehmen, unter anderem aus den Bereichen Verkehr, Energie und Produktion (Details enthält die Verordnung Nr. 408/2025 Slg.), die Frist zur Erfüllung der ersten Pflichten läuft im Januar 2026 ab.
- Zum 1. 1. 2026 trat eine neue Pflicht für Arbeitgeber in Kraft, konkret die sogenannte Einheitliche monatliche Meldung der Arbeitgeber. Diese verspricht zwar, die administrative Belastung der Unternehmen künftig zu senken, die Industrieunternehmen müssen sich jedoch zunächst an die neue Maßnahme gewöhnen. Wir empfehlen Ihnen daher, sich rechtzeitig mit den Neuerungen vertraut zu machen, damit Sie zu Jahresbeginn nichts überrascht.
Wir empfehlen Ihnen daher, sich rechtzeitig mit den Neuerungen vertraut zu machen, damit Sie zu Jahresbeginn nichts überrascht.
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